Vor 50 Jahren entstand in Haspe die „Weltladen-Idee“
Das AllerWeltHaus – bedeutender Player in der Hagener Kulturszene
Von Michael Eckhoff
In den 1970er Jahren war mächtig was los in Hagen. Zahlreiche Stahl- und Eisenfabriken – etwa die Hasper Hütte – schlossen ihre Pforten. Aber die Volmestädterinnen und Volmestädter ließen sich davon nicht unterkriegen. Das Gewerbegebiet Lennetal entstand, die Forderung nach alternativen Kulturzentren machte die Runde, in Wehringhausen erfreute man sich an großen Stadtteilfesten auf dem Wilhelmsplatz mit einer neuen Band namens Extrabreit und im Sport zeigte sich der SSV als die „Basketball-Macht vom Ischeland“.
Impuls von Pastor Höfener
Ein weiteres „Pflänzchen“, das recht bald nicht mehr aus der kulturellen Szene Hagens wegzudenken war, erblickte in Haspe das Licht der Welt: ein Weltladen. Ende April 1976 schloss sich um den Gymnasiallehrer Klaus Ehlers eine Handvoll junger, engagierter Menschen zusammen, die Kinder und Familien in den ärmsten Ländern der Welt unterstützen wollten. Der Impuls kam aus der Ev. Kirchengemeinde Westerbauer rund um den damaligen weithin bekannten Pastor Siegfried Höfener. Ehlers war von Schüler:innen angesprochen worden, ob er nicht mithelfen wolle, eine Familie aus Namibia zu unterstützen. Ein Bruder von Pastor Höfner war seinerzeit Pfarrer in Namibia.
„Das Ziel der Gruppe war“, schreibt die frühere Vorsitzende Christa Burghardt im 2018er HagenBuch, „vor allem Hunger und Not zu bekämpfen. Da sie nicht nur diskutieren wollten, haben sie einen Shop gegründet, einen Weltladen, in dem Produkte von Kleinbauern aus Amerika, Lateinamerika und Asien verkauft wurden. Menschen im Globalen Süden sollten eine Lebensgrundlage erhalten, die sie selbst ernährt.“ Anders ausgedrückt: Man wollte mehr Weltgerechtigkeit.
1981 Verein gegründet
Fünf Jahre später, also 1981, gingen Klaus Ehlers, seine Ehefrau Inge und viele weitere Akteure daran, einen „richtigen“ Verein auf die Beine stellen – das war die Geburtsstunde des „Dritte Weltladen e.V.“, der in der Folgezeit zahlreiche Basare und Feste in Kirchengemeinden und an anderen geeigneten Orten organisiert hat. Aus dem bescheidenen Pflänzchen aus der Anfangszeit erwuchs mehr und mehr eine stattliche „Pflanze“, die beizeiten dringend eine passende Unterkunft benötigte.
Ein eigenes Haus
1988 gelang es, ein im Park an der Potthofstraße (heute: Dr.-Ferdinand-David-Park) befindliches und damals bereits der Stadt Hagen gehörendes Restgebäude des früheren Röhrenhandels Kerckhoff anzumieten. Idyllisch an der Volme und unweit der Fußgängerzone gelegen, schien das zweistöckige und recht große Gebäude bestens geeignet, der Standort des Weltladens und eines wachsenden Kulturzentrums zu werden. Zwar zeigte sich das Gebäude in einem eher maroden Zustand, doch davon ließen sich die Weltladen-Aktiven nicht abschrecken. In dem Gebäude entstand – mit viel Eigen-Arbeit – ein schmucker Veranstaltungsort mit Veranstaltungsaal, Büros, dem Weltladen und ab 1993 mit dem Begegnungszentrum Mundial, das sich sogar zu einem beliebten öffentlichen Bistro mit vegetarischer Küche entwickeln konnte.
50 Jahre nach den bescheidenen Anfängen hat sich die Welt – natürlich – weitergedreht. Der Weltladen mit seinen fair gehandelten Produkten wie Taschen, Schals, Kaffee und Tee existiert noch, ebenso das vielfältig aktive Kulturbüro. Das Bistro Mundial hingegen gibt es in alter Form nicht mehr, stattdessen ist der aktuelle Vorstand dabei, das Mundial zu einem Ort für Begegnungen weiterzuentwickeln.
Bedeutender Akteur
Im Mittelpunkt der AWH-Arbeit stehen nach wie vor der faire Handel, die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, Interkulturelles und die Möglichkeit, vielen hiesigen Vereinen und Initiativen einen Ort für ihre Treffen zu bieten. Eine Spielgruppe nutzt das Haus ebenso wie etwa eine Guinea-Gruppe, terre des hommes, Amnesty International, der VCD, das HFN (Hagener Forum Nachhaltigkeit) oder die VHS für Integrationskurse. Eine Riesenfülle von weit über einhundert Veranstaltungen findet jährlich am und im Haus statt. Musikabende, Vorträge, Workshops oder Potthofviertel-Erkundungen im Urlaubskorb gehören dazu. Am bekanntesten sind sicherlich das außerordentlich beliebte „Vielfalt-tut-gut-Festival“ (in diesem Jahr am 11. Juli) und das Weltkindertagsfest.
Weiteres ist mittlerweile hinzugekommen, so die Kooperation mit Freilichtmuseum und Umweltamt (etwa im Zusammenhang mit dem demnächst anstehenden Tag der Artenvielfalt), Marienhof und Hagener Heimatbund, mit dem hiesigen IGA-Arbeitskreis oder auch mit etlichen Schulen, zumal das AWH längst ein wichtiger außerschulischer Lernort ist. Zukunftsweisende Projekte mit der Caritas, mit der bundesweiten Zweitzeugen-Initiative oder mit der FernUni (z.B. bei der Erforschung des Kolonialismus in Hagen), um nur einige wenige der vielen Partner zu nennen, sorgen oft für eine Beachtung, die weit über die Grenzen der Stadt Hagen hinausreicht. Verantwortet wurde die Kultur- und Bildungsarbeit früher hauptsächlich von Claudia Pempelforth und Ulrich Korfluer, heute von Claudia Eckhoff und Anna Stenz.
Jubiläumsfeier mit OB Rehbein
Das 50-jährige Weltladen-Jubiläum wird natürlich gefeiert. Am Donnerstag. 30. April, steht eine „kleine“ Sause“ auf dem Programm, zu der vom aktuellen Vorstand rund um Michael Eckhoff und Hanchrist Grote alle „alten“ und neuen „AWH-Mitstreiter“ eingeladen sind. Diese „Sause“ ist gleichzeitig auch eine Ehrung von Inge und Klaus Ehlers. Um 16 Uhr startet ein kleines „Come together“, dann folgen einige Reden, ein Abendessen und zu guter Letzt ein musikalischer „Leckerbissen“ ab ca. 19.30 Uhr mit dem Hagener Musikmacher Björn Nonnweiler.
In dieser und in der kommenden Woche lädt der inzwischen von Barbara Habla geleitete Weltladen außerdem zu vielen besonderen Rabatt- und Probieraktionen ein. Zusätzlich wird das Mundial vom 5. bis 9. Mai jeweils von 14 bis 18 Uhr wieder die Pforten öffnen und mit Hilfe eines ehrenamtlichen Teams um Anne Ortlepp und Gertrud Masuch für Kuchen & Co. sorgen.